[Rezension] Jagdrevier – Helene Tursten

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Über die Autorin. Helene Tursten wurde 1954 in Göteborg geboren, lebt heute in Värmland und ist mit einem ehemaligen Polizisten verheiratet. Sie ist Zahnärztin, konzentriert sich aber bereits seit einigen Jahren nur noch auf das Schreiben. Jagdrevier ist der erste Band der Krimireihe um die junge Polizistin Embla Nyström, ihre Krimireihe um die Polizistin Irene Huss wurde bereits erfolgreich verfilmt.

Über das Buch. In den einsamen Wäldern in der Nähe von Göteborg trifft sich jedes Jahr im Herbst eine bunt zusammengewürfelte Gruppe zur Elchjagd. Grantig-kernige Einheimische treffen auf wohlhabende Städter und ihre ausländischen Geschäftspartner, Neuzugezogene auf alte Familien und Freunde aus Kindheitstagen. Unter ihnen ist auch die junge Polizistin Embla Nyström. Dann wird plötzlich ein Jagdteilnehmer ermordet, ein weiterer verschwindet. Um was geht es bei dieser Jagd wirklich, und wer jagt hier in den düsteren schwedischen Wäldern wen?

Um das Fazit gleich mal vorwegzunehmen: Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen ist die Handlung sehr schleppend, es passiert kaum etwas, alles zieht sich. Zudem ist das Buch mit 256 Seiten nicht grade lang. Wenn dann erst um Seite 125 herum der Mord geschieht, ja, was bleibt dann noch? Was nicht bleibt, ist jedenfalls Zeit für richtige Ermittlungsarbeit. Schlüsse, die zur Auflösung des Falles führen, werden einfach so ohne triftige Hinweise gezogen. Bestimmte Ereignisse aus der Vergangenheit der Jagdteilnehmer sind dem Leser zwar bekannt und lassen ihn vermuten, dass sie noch von Bedeutung sein könnten (sie wurden in ein, zwei Sätzen einmal angesprochen – warum nicht ein bisschen mehr Detailarbeit?), die Ermittler aber haben keinen Grund anzunehmen, dass diese Dinge mit dem aktuellen Fall zusammenhängen könnten. Trotzdem aber konzentrieren sie sich sofort nur darauf. Warum? Sie haben keinen Anlass dafür! Das Ganze wirkt leider sehr plump und wenig feinsinnig.

Ein weiterer Punkt fiel mir auch recht schnell negativ auf: Es wird sehr wenig wörtliche Rede verwendet. Dadurch wirkt alles sehr statisch und wenig lebhaft. Beinahe beschleicht einen das Gefühl, keinen Krimi in den Händen zu halten, sondern einen protokollarischen Bericht der Jagd.

Und dann die Ermittlerin Embla Nyström, die Hauptperson. Durch viele kleine Anspielungen  wird darauf hingewiesen, was für eine ungewöhnliche, starke Frau Embla doch ist. Wir lernen Embla bei einem Boxkampf kennen, sie ist tätowiert und geht zur Jagd. Haben wir solche Hinweise im Jahr 2016 tatsächlich noch nötig, um zu unterstreichen, dass es sich hier um eine starke, selbstbewusste Frau handelt? Ich finde es ein bisschen schade, dass Helene Tursten diesen Weg gewählt hat, das hätte sie sicher auhein bisschen subtiler und durch einen soliden Plot lösen können. Sehr überrascht hat mich dann allerdings auch, dass diese toughe Ermittlerin sich unglaublich leicht von so profanen Dingen wie Dorfklatsch beeinflussen lässt. Das erscheint mir doch wenig glaubwürdig. Ich hätte mir hier etwas mehr Objektivität und gesunden Menschenverstand für Embla Nyström gewünscht. Wir erfahren auch noch von einem Zwischenfall aus Emblas Vergangenheit. Diese Episode wird allerdings so plump mit dem Vorschlaghammer in die ohnehin schon knappe Handlung hineingezimmert, dass der Sinn dieser Aktion völlig an mir vorbeigeht.

Die Auflösung bietet dann auch keine großen Überraschungen mehr. Eigentlich war mir schon nach den ersten zwei Kapiteln klar, welche Richtung der Krimi einschlagen würde.

Schade, es hätte ein wirklich toller, unterkühlt-gruseliger Krimi in bester skandinavischer Tradition werden können. Die Idee ist gut, alle Zutaten sind vorhanden, aber an der Umsetzung scheiterte es leider.

Jagdrevier / Helene Tursten / 256 Seiten / erschienen im btb Verlag (11. Januar 2016, Taschenbuch) / ISBN-10: 3442713137 / ISBN-13: 978-3442713134 / 12,99€

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*Das Buch wurde mir von der Verlagsgruppe Random House kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

 

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