[Rezension/Review] The Girls – Emma Cline

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Kalifornien im Sommer 1969. Die 14-jährige Evie Boyd sehnt ich nach Aufmerksamkeit. Ihre Eltern lassen sich scheiden, ihre Mutter geht in diversen Selbstfindungstrips auf, der Vater hat nur noch Augen für seine neue, sehr junge Partnerin, seine ehemalige Assistentin, und auch Evies beste Freundin wendet sich von ihr ab. Evie fühlt sich zerissen und nirgendwo dazugehörig. Und dann trifft Evie eines Tages auf die Girls: Das laute, freie Lachen der Mädchen macht Evie auf sie aufmerksam, eines Tages im Park. Lange, ungekämmte Haare, nachlässige Kleider, Evie ist wie gebannt. Besonders eines der Girls fasziniert Evie: Die 19-jährige Suzanne. Evie verbringt immer mehr Zeit mit Suzanne und den anderen Mädchen auf einer heruntergekommenen Farm, wo sie alle gemeinsam wie in einer Kommune leben und sich um den charismatischen Russell Hadrick scharen. Ohne es zu merken wird Evie immer tiefer in den Strudel dieser Gemeinschaft und der Ereignisse dieses Sommers hineingezogen und ist blind angesichts der sich anbahnenden Katastrophe.

Emma Clines Debütroman basiert auf den Geschehnissen um Charles Manson und der Manson Family. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der erwachsenen Evie, die sich an die Ereignisses jenes Sommers erinnert und sie mit sehr klaren, reflektierenden und kraftvollen Worten wieder heraufbeschwört. Und  so wie es Evie mit dem Cult um Russell und die Girls geschehen ist, so ging es mir mit diesem Buch. Es hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und fasziniert. Emma Cline bedient sich einer solch intensiven und poetischen Sprache, die zwar reich an Metaphern ist, aber dennoch auch so deutlich und klar (und niemals schwülstig!), dass man sich sofort auf einer Reise durch das südliche Kalifornien der späten 1960er Jahre befindet und besonders die Stimmung dieser Zeit hautnah spüren kann. Obwohl Emma Cline selber erst 27 Jahre alt ist, versteht sie es, dem Leser die Atmosphäre dieser Zeit so nahe zu bringen, dass man meint, selbst mittendrin zu sein. Und sie tut das mit einer so großartigen Sprache, einem so fantastischen Stil, dass es auf fast jeder Seite mindesten einen Satz gibt, den man sich als Zitat herausschreiben möchte.

Emma Cline, bzw. Evie, beschönigt jedoch nichts. Drogen spielen auf Russells Farm eine große Rolle und in der Zeit der freien Liebe waren Frauen zumindest auf Russells Farm alles andere als frei, sondern viel mehr Objekte und Mittel zum Zweck. Besonders Russell (aber nicht nur er) ist manipulativ und benutz die Mädchen, die sich um ihn scharen und seine Nähe suchen wie die Motte das Licht, um seine Ziele und seinen Willen durchzusetzen. Das verträumte, oft auch glorifizierte und idealisierte Bild der Hippie-Ära hat in Emma Clines Roman keinen Platz. Viel mehr zeichnet sie ein Bild der Abhängigkeit, Gewalt und Zerstörung, verpackt in brilliante, großartige Worte.

Selten hat mich ein Buch so gepackt, auf meiner Liste der besten Bücher des Jahres wird es sicher auf einem der obersten Plätze landen.

*Ich habe das Buch als E-Book über Netgalley.de erhalten

ENGLISH VERSION

California, summer of 1969. 14-year-old Evie Boyd is longing for attention. Her parents are getting divorced, her mom is busy discovering her new self, her father’s eyes are on his new and very young girlfriend (his former assistant) only and even Evie’s best friend is turning her back on Evie to hang out with new people. Evie is feeling lost, she doesn’t really belong anywhere. And then one day in a Petaluma park she meets the girls. Their loud and free laughter attracts Evie’s attention immediately. Their hair is long and unkempt, their dresses are skimpy. It doesn’t take long that Evie is under their spell. One girl especially fascinates Evie: 19-year old Suzanne who used to work as a pole dancer. Evie spends more and more time with Suzanne and the other girls on their run down farm in the middle of nowhere. It’s a cult that Evie’s stumbled upon and their leader is the charismatic Russell Hadrick. The girls seek Russell’s attention like moths seek the light, they are desperate and eager to please him. Evie is drawn deeper and deeper into the whirl of events that summer and too blind to see any alarming signs of the catastrophe that is bound to happen.

Emma Cline’s debut novel is based on Charles Manson and the Manson Family. The story is told from 30-something Evie’s point of view who remembers and evokes the events of that summer with very clear, reflective and powerful words.

This book fascinated me just like the girls and the cult fascinated Evie. It just drew me in from the very beginning. Emma Cline writes in such a strong and poetic way, her language is flush with metaphors (but her writing style is never flatulent or turgid!), yet clear and on point and it immediately takes you on a journey to sunny California in the late 1960’s. You can almost feel the atmosphere and the mood of that time. Emma Cline is only 27 years old but she wrote this book like a first-hand witness of that time. Her language and her words are so brilliant, her style is so fantastic, there’s hardly a single page in that book with no noteworthy quote on it.

But Emma Cline doesn’t whitewash anything, she doesn’t put a sugar coat on the story and that period of time. Drugs play a big role for Russell and the girls on the farm and even though everybody proclaimed free love back then, nobody was really free in Russell’s circles, especially not women. Girls and women were objects on the farm, they were a means to an end to get Russell whatever he wants. The colourfull and often dreamy image we’ve all got in our heads whenever we think of the Sixties is not part of Emma Cline’s novel. She draws a picture of manipulation, addiction, violence and destruction, her tools however are brilliant and vibrant words.

Englisch:

The Girls / Emma Cline / 368 Seiten / Chatto & Windus / Erschienen am 16. Juni 2016 (Taschenbuch) / ISBN-10: 1784740446 / ISBN-13: 978-1784740443 / 13,95 € (TB)

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Deutsch:

The Girls / Emma Cline / 352 Seiten / Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (gebundenen Ausgabe) / Erscheint am 25. Juli 2016 / ISBN-10: 3446252681 / ISBN-13: 978-3446252684 / 22,00 € (gebunden)

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2 Gedanken zu “[Rezension/Review] The Girls – Emma Cline

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